Ein Symptom ist die in unserer Kultur am meisten akzeptierte Art, sich um sich selbst zu kümmern. (Dianne Connelly)
Ähnlich wie beim Schlaf, wird die Tatsache, dass alle Eltern gestresst sind, als unvermeidbarer Bestandteil von Elternschaft bagatellisiert. Welche Konsequenzen das für das Familienleben, die Entwicklung der Kinder, die Gesundheit und das Leistungsvermögen der Eltern hat (hier sollte doch auch die Wirtschaft ein Interesse dran haben), bleibt unberücksichtigt.
Einer der zentralen Stressfaktoren von Eltern ist der ständige Zeitdruck. All die Dinge, an die sie bei der Familienorganisation denken müssen, sind niemals ganz zu schaffen.
Es ist ein schmaler Grat zwischen Erschöpfung und manifesten psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Burn-out und Angststörungen. Die Zahl der Mütter, die mit Erschöpfungszuständen und Burn-out eine Kur beantragen, steigt seit Jahren.
I.d.R. erfolgt die Behandlung aber erst dann, wenn bereits eine Erkrankung vorliegt und nicht als Präventionsmaßnahme.
Das liegt daran, dass viele Eltern versuchen, sich möglichst lange nicht anmerken zu lassen, wie überlastet sie sind. Die starke Diskrepanz zwischen dem idealisierten Bild von Elternschaft und dem real empfunden Zustand trägt zur psychischen Belastung bei. Wenn Dinge nicht zusammenpassen („Alle sagen doch, wie erfüllend das Elternsein ist, aber ich bin völlig erschöpft“), wollen wir eine Erklärung finden, um die Dissonanz zu reduzieren. Also schließen wir häufig den Schluss, dass es an uns liegen muss. In der Konsequenz teilen wir uns anderen nicht mit, was das Leid weiter vergrößert.
Was auch zum Problem beiträgt, ist die Tatsache, dass „Schwäche“ in unserer patriarchal-kapitalistischen Gesellschaft nicht erwünscht ist. Selbstfürsorge wird häufig belächelt und gerade für Mütter ist sie nicht vorgesehen, da die Mutterrolle an sich vermeintlich so erfüllend und energiegebend ist. Erst wenn wir „wirklich“ krank sind, ist es akzeptiert, uns um uns zu kümmern. Also springt unser Körper als Helfer ein, entwickelt Krankheitssymptome, damit wir endlich einen Gang zurückschalten. Körperliche Krankheiten sind an dieser Stelle natürlich willkommener als psychische Erkrankungen (de facto manifestieren sie sich meistens auf beiden Ebenen).

