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Präventive Psychotherapie

Unsere Gesundheitssysteme sind in Wahrheit noch immer eher Krankheitssysteme. Ärztin und Patient sprechen nur dann miteinander, wenn der Patient krank ist (…). Wir sollten also besser die Gesundheit fördern, bevor es zur Krankheit kommt.“
(Sabina Brennan, Neurowissenschaftlerin)

Psychotherapie ist die Behandlung psychischer Störungen, d.h. wir behandeln Menschen, die bereits eine Depression oder eine andere psychische Erkrankung haben. Nur dann werden die Kosten von den Krankenkassen bezahlt.

Präventive Psychotherapie, z.B. in Form von Vorsorgeterminen, wie im medizinischen Kontext normal, ist nicht vorgesehen. Dabei würde es enorm viel Leid, lange Krankschreibungen und hohe Kosten im Gesundheitswesen sparen. Damit diskriminiert auch unser Gesundheitssystem in gewisser Weise psychische Erkrankungen. Dabei prognostiziert die WHO, dass Depressionen im Jahr 2030 in den Industrienationen die häufigste Erkrankung sein werden.

Eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, ist für die meisten Menschen eine enorme Hürde. Gerade für Männer, da das Männlichkeitskonstrukt keine Schwäche vorsieht. Sie flüchten sich eher in Süchte oder Suizid als über ihre vermeintlichen Schwächen zu sprechen und sich Hilfe zu holen. Menschen sprechen lieber von einem Burnout (da hat man schließlich vorher für eine Sache gebrannt) als von einer Depression und machen eher ein Coaching (da geht es um Weiterentwicklung) als eine Therapie.

Tatsächlich stimmt das Gegenteil: Wer eine Psychotherapie macht, zeigt enorme Stärke und gewinnt unglaublich viel!

Es erfordert viel Mut, sich einem zunächst fremden Menschen gegenüber zu öffnen. Auch ist es ungewohnt, dass diese Beziehung eher einseitig ist, was aber gleichzeitig als entlastend erlebt wird, weil die Hilfesuchende nichts zurückgeben „muss“. Es ist – zumindest kurzfristig – leichter, schmerzhafte Dinge zu verdrängen, nicht darüber zu sprechen. Langfristig finden diese Dinge jedoch immer einen Weg sich zu zeigen, weil Schmerz gefühlt und durchlebt werden möchte.

Schmerz hat eine wichtige Botschaft. Wenn ich bereit bin, zuzuhören, wird es mit der Zeit leiser.

Das ist vergleichbar mit einem unbequemen Gast, der immer wieder an meiner Tür klingelt. Ich kann ihm nicht aufmachen. Das führt aber nicht dazu, dass er es nicht weiterhin versuchen wird. Wenn ich ihm öffne, bleibt er ein unbequemer Gast, ich kann aber erfahren, was er möchte und evtl. stört er mich irgendwann nicht mehr. In jedem Fall macht es mich freier, da ich nicht meine ganze Energie darein stecken muss, ihm den Zugang zu meinem Haus zu verwehren.

Gerade in Beziehungen werden wir ständig mit unserem Innenleben konfrontiert. Es würde enorm helfen, wenn Menschen sich ihrer selbst bewusst wären, um Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und damit wir Menschen, die wir lieben, nicht aufgrund alter Themen verletzen, für die sie nichts können.

3 Ideen:

  1. Psychotherapie als Präventionsmaßnahme:
    • von den Krankenkassen finanziert
      • z.B. 1x/Jahr
      • zu bestimmten Lebensereignissen, wie z.B. der Geburt eines Kindes, verstärkt (z.B. als Teil vom Geburtsvorbereitungskurs)
      • bevor Paare Eltern werden, würde es unglaublich helfen, sich mit der eigenen Ursprungsfamilie, Glaubenssätzen und den Umgang mit Gefühlen auseinanderzusetzen, denn Kinder triggern unsere wunden Punkte
      • Empfohlene Vorsorgetermine würden möglicherweise auch die Hürde zur Aufnahme einer Psychotherapie senken, damit sich psychisches Leid nicht chronifiziert und Betroffene nicht erst nach Jahren (wie leider üblich) behandelt werden.
  2. Selbsterfahrung für bestimmte Berufsgruppen
    • Ziel: sich seiner eigenen blinden Flecken und wunden Punkte bewusst werden und einen verantwortungsvollen Umgang damit erlernen, damit wir das nicht in unsere Arbeit tragen
    • in der Ausbildung zum Psychotherapeuten, Familientherapeuten oder Coach bereits obligatorisch (jedoch auf eigene Kosten)
    • für Personen, die intensiv mit Kindern arbeiten, wie z.B. Erzieher und Lehrer, fände ich es enorm wichtig
    • idealerweise staatlich finanziert
  3. Paartherapie für Eltern sollte bezahlt werden
    • Paartherapie ist keine Kassenleistung. Das finde ich auch grundsätzlich in Ordnung.
    • Sobald aber Kinder involviert sind, die möglicherweise Leidtragende sind, ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und Verantwortung, diese Kinder zu schützen.
    • Daher sollten die Kosten staatlich finanziert werden, in jedem Fall aber steuerlich absetzbar sein (wie es ein berufliches Coaching bspw. schon ist – hier sieht man mal wieder die Fokussierung auf die Erwerbsarbeit, offensichtlich wichtiger als der Schutz der Familie)
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