JedeR, der bereits Care-Arbeit (auch Sorgearbeit oder Familienarbeit genannt) geleistet hat, weiß, dass dies nichts mit Urlaub oder freier Zeit zu tun hat, sondern ein Full-Time Job ist: es gibt keine geregelten Arbeitszeiten, keine festen Pausen/Urlaub und keinen Feierabend.
Wir sind bei unserem ersten Kind auch in die klassische Rollenverteilung gerutscht. So oft habe ich meinen Mann darum beneidet, dass er erwerbsarbeiten gehen darf. Mal nicht permanent die volle Verantwortung für einen kleinen Menschen haben, nicht ständig die eigenen Bedürfnisse hintenanstellen müssen, alleine sein dürfen (und sei es nur auf der Toilette), meinen Kopf anstrengen dürfen, nicht ständig unterbrochen werden und 1000 Dinge gleichzeitig laufen haben, einen Ausgleich haben.
Mit Kind(ern) fallen täglich unendlich viele – vor allem auch unsichtbare – Aufgaben an, an die gedacht werden muss und die ausgeführt werden müssen. Einen Teil dieser Aufgabenbereiche inkl. einiger Beispiele habe ich dir aufgelistet. Damit schließe ich bewusst nicht den Haushalt mit ein, denn das ist meiner Meinung nach ein separates Thema, das unabhängig von Care- und Erwerbsarbeit fair aufgeteilt werden muss (schließlich musste man den Haushalt auch bevor Kinder da waren untereinander regeln). Mit Kind(ern) wird die Hausarbeit aber natürlich deutlich mehr, allein was Wäsche/Einkäufe (Drogerieartikel)/Aufräumen/Saugen betrifft.
Aufgabenbereiche von CareArbeit
- Geburtstage und Feste
- z.B. Freunde/Familie über Wünsche informieren, Geschenke besorgen, Kindergeburtstage planen und durchführen, Feste wie Ostern/Weihnachten vorbereiten
- Stillen oder Füttern
- nimmt in den ersten Lebensmonaten schon mehrere Stunden täglich in Anspruch, Brei kochen/einkaufen
- Kleidung
- z.B. Kind/er an-/ausziehen, Kleidergrößen prüfen/sortieren (nach Saison), neue/gebrauchte Kleidung kaufen, alte Kleidung verkaufen, kaputte Kleidung reparieren, zu kleine Kleidung archivieren, Schuhgröße im Blick behalten, Schuhe einkaufen
- Schlaf und Beziehungspflege
- z.B. Einschlafbegleitung, nächtliches Füttern, Nachtschicht bei Krankheit, Konflikte zwischen Geschwistern schlichten, Regeln erläutern und auf Einhaltung achten, Gefühlsausbrüche begleiten
- Kita/Schule
- z.B. Brotboxen, Essen anmelden, Fahrdienste, Wechselsachen, Elternabende, Whatsapp Gruppen
- Gesundheit und Körperpflege
- z.B. Duschen/Baden, Zähne putzen, Wickeln/Toilettenbegleitung, Arzttermine (U-Untersuchungen und akute), Kind-krank-Tage organisieren (Betreuung)
- Freizeit
- z.B. Spielverabredungen planen, Kurse recherchieren und wahrnehmen, Fahrdienste, Entertainment am Wochenende, Organisation von Fremdbetreuung
Ganz egal für welche Aufteilung ihr euch innerhalb eurer Beziehung entscheidet: Am Ende arbeitet ihr beide und ihr tragt beide dazu bei, dass der Laden läuft. Beide Arbeiten sind gleichwertig (auch wenn die Gesellschaft etwas anderes suggeriert, indem sie nur die Erwerbsarbeit honoriert). Der Elternteil, der die Carearbeit übernimmt, hält dem Elternteil, der die Erwerbsarbeit übernimmt, den Rücken frei und anders herum. Daher fangt bitte an, die Carearbeit mehr wertzuschätzen. Häufig werten wir sie nämlich selbst durch unsere Sprache ab.
Mach dich nicht selber klein


